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Fachkräfte, Konjunktur, IHK Trier
(Foto: Mila Supynska - Fotolia)

13.02.2017

Konjunktur und Zuwanderung führen zu Rekordbeschäftigung – an Fachkräften mangelt es

2016 hatten so viele Menschen in Deutschland einen Job wie nie zuvor. Zugleich nimmt der Anteil ausländischer Arbeitnehmer zu. Die Nachfrage der Unternehmen nach qualifizierten Arbeitskräften ist weiterhin hoch, Fachkräfteengpässe werden immer mehr zum Geschäftsrisiko. Die Fachkräftesicherung ist damit eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre.

Beschäftigung auf Rekordniveau

Die Erwerbstätigkeit markierte 2016 mit 43,5 Millionen ihren Höchststand seit der Wiedervereinigung (+ 429 000). Noch stärker stieg die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Hier lag der Zuwachs nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit bei rund 600 000 auf 31,4 Millionen. Gut die Hälfte dieses Zuwachses entfiel auf ausländische Arbeitnehmer, insbesondere aus den osteuropäischen EU-Ländern. In den letzten Monaten hat sich dieser Trend weiter verstärkt, ausländische Arbeitnehmer leisten inzwischen den größeren Anteil zum Beschäftigungsaufbau und damit einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Im November lag ihre Quote am Beschäftigungsplus fast bei 90 Prozent. Der sinkende Anteil der Deutschen am Jobwachstum ist nicht zuletzt der Demografie geschuldet. Gleichzeitig profitieren deutsche Arbeitslose vom Stellenaufbau der Unternehmen – die Arbeitslosigkeit sank am aktuellen Rand um 215 000 (- 9 Prozent) gegenüber dem Vorjahr, während die der Ausländer um 70 000 (+ 10 Prozent) zunahm, was in erster Linie auf die hohe Zahl der Flüchtlinge zurückgeht.

Fachkräfteengpässe trüben Einstellungspläne
Die Unternehmen wollen auch künftig neue Stellen schaffen und suchen Mitarbeiter. Gleichzeitig entwickelt sich der Fachkräftemangel aus ihrer Sicht zum Geschäftsrisiko Nummer 1, das die Beschäftigungspläne bremsen und damit Innovations- und Wettbewerbspotenziale mindern kann: In der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage sieht fast jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) diese Gefahr – mehr waren es noch nie seit Beginn der Umfrage 2010.

Betriebliche Anstrengungen flankieren
Schon heute tun die Unternehmen viel, um diese Herausforderung zu meistern. Dies zeigen nicht zuletzt die steigenden Beschäftigungsquoten von Frauen und Älteren. Arbeitgeberattraktivität wird im Wettbewerb um Personal immer wichtiger. Moderne Personalpolitik mit flexiblen Arbeitszeiten und Möglichkeiten, Beruf und Privates zu vereinbaren, zählen dazu. Gleichzeitig dürfen aber betriebliche Belange und Kundenwünsche nicht aus dem Blick geraten. Deshalb sind betriebsindividuelle Lösungen hier der richtige Ansatz. Das Engagement der Unternehmen braucht aber passende Rahmenbedingungen. Ein zu starres Korsett bürokratischer Regelungen kann gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Aktivitäten erschweren und die Fachkräftesituation damit verschärfen.

Zuwanderung zur Fachkräftesicherung

Die Zuwanderung nach Deutschland war in den letzten Jahren hoch – und zwar auch schon ohne die Fluchtmigration. Vor allem die EU-Freizügigkeit kommt deutschen Unternehmen bei der Fachkräftesicherung zugute. Neben den EU-Bürgern rücken perspektivisch stärker Qualifizierte aus Nicht-EU-Staaten in den Fokus. Gerade bei den Zuwanderungsregelungen beruflich Qualifizierter, die von den Unternehmen besonders gesucht werden, besteht aus DIHK-Sicht weiterhin Verbesserungspotenzial. So umfasst zum Beispiel die Positivliste der Engpassberufe noch nicht alle Berufe, bei denen die Unternehmen tatsächlich Besetzungsschwierigkeiten haben (zum Beispiel Gastronomie, Logistik). Neben den gesetzlichen Regelungen ist die Einstellungspraxis gerade für KMU nicht immer einfach. Die IHK-Organisation wird gemeinsam mit dem Netzwerk der Deutschen Auslandshandelskammern Unternehmen weiter bei der Rekrutierung im Ausland unterstützen und dort für den Arbeitsort Deutschland werben – auch dabei kann eine politische Flankierung hilfreich sein.



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