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Energiewende, Netzentgelte, IHK Trier
(Foto: ExQuisine - Fotolia.com)

10.03.2017

Netzentgelte fair, effizient und flexibel gestalten

Mit der Energiewende steigen auch die Kosten für Netzinfrastruktur und -betrieb. Diese Kosten werden über die Netzentgelte auf die gewerblichen und privaten Stromkunden verteilt. Die Netzentgelte variieren stark nach Verbrauch und Ort. Im Durchschnitt machen sie 20 bis 25 Prozent der Stromrechnung aus und damit bei den meisten Unternehmen schon heute mehr als die EEG-Umlage. Der Ausbau der erneuerbaren Energien zieht den Netzausbau nach sich und erfordert Investitionen in intelligente Netzsteuerung. Die Folge: höhere Netzentgelte – insbesondere dort, wo der Anteil der erneuerbaren Energien hoch ist. Damit werden neben der EEG-Umlage auch die Netzentgelte zunehmend zu einem kritischen Wettbewerbsfaktor für Unternehmen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Struktur der Entgelte in der politischen Diskussion an Bedeutung.

Breite Finanzierungsbasis sichern
Die Erwartungen an neue Netzentgelte sind hoch: Sie sollen die Infrastrukturkosten fair verteilen, die Nachfrage lenken und den Einsatz von Stromspeichern anregen. Sie sollen auch anregen, mit Strom zu heizen, und den Weg für die Elektromobilität ebnen. Priorität sollte dabei eine breite Beteiligung aller Stromkunden an den Infrastrukturkosten haben. Dies kann durch eine stärkere Gewichtung des Anschluss- beziehungsweise Leistungspreises gegenüber dem Netzentgelt pro Kilowattstunde erfolgen, wie es heute für gewerbliche Großverbraucher bereits üblich ist. Damit wäre auch eine Beteiligung von Eigenerzeugern gewährleistet.

Vorhandene Infrastruktur effizient auslasten
Um immer mehr Strom aus Wind und Sonne ins Netz aufnehmen und zu den Verbrauchern leiten zu können, führt kein Weg am Netzausbau vorbei. Gleichzeitig gilt es, die vorhandenen und geplanten Netze so effizient wie möglich auszulasten. Keine leichte Aufgabe: Für eine möglichst hohe Auslastung der Netze ist ein gleichmäßiger Verbrauch notwendig, auf der anderen Seite ist für eine optimale Nutzung von Strom aus Wind und Sonne eine flexible Nachfrage erforderlich.

Netzkapazitäten flexibel berücksichtigen
Eine mögliche Lösung für diesen Konflikt ist, die Zwischenspeicherung von Strom generell von Netzentgelten zu befreien. Gleichzeitig könnte die sogenannte Atypik, die die Vermeidung industrieller Stromnachfrage in Zeiten allgemein hoher Nachfrage finanziell belohnt, weiterentwickelt werden. Die Stunden des höchsten Verbrauchs (sogenannte Hochlastzeitfenster) liegen typischerweise mittags oder am späten Nachmittag. Wenn es die Netzkapazitäten hergeben, sollten die Netzbetreiber diese Hochlastzeitfenster in Zukunft kurzfristig freigeben und damit Unternehmen eine flexible Stromnachfrage auch in diesen Zeiten ermöglichen.

Kleine Verbesserungen mit großer Wirkung

Die bisherige Netzentgeltstruktur hat sich aus Sicht der Wirtschaft grundsätzlich bewährt. Auch eine vollständig überarbeitete Netzentgeltstruktur wird steigende Kosten für Netzinfrastruktur und -betrieb nur sehr begrenzt vermeiden können. Die Beispiele zeigen jedoch, dass bereits mit relativ kleinen und kurzfristig umzusetzenden Anpassungen viel dafür getan werden kann, den Anforderungen der Energiewende besser gerecht zu werden.